© DIE LÜTTERATEN e.V. 2018 Zum Impressum Zur Datenschutzerklärung
Copyright by Die Lütteraten

Interkulturelle Lesereihe

LÜTTERATEN als Kooperationspartner

Die Literarische Schreibwerkstatt

Zusammen mit sieben weiteren Kooperationspartnern organisieren DIE LÜTTERATEN unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz seit 2013 eine Lesereihe mit Schriftsteller*innen als Brückenbauer mit zweifacher Identiät. Die Literaten leben in Deutschland und veröffentlichen Prosa und Lyrik in Deutsch und wurden vielfach für ihr Werk ausgezeichnet. Die Lesungen finden zweimal im Jahr in der Zentralbibliothek der Stadt Remscheid statt und werden musikalisch umrahmt von Beiträgen von in Remscheid und Umgebung lebender Musiker*innen mit Migrationshintergrund. Hinzu treten seit 2017 „Literarische Schreibwerkstätten“ in allgemeinbilden Schulen der Stadt, die sich meist aus dem Kontakt zwischen Autor*in und Schule nach den Lesungen ergeben. Wir bieten das Format einer Literarischen Schreibwerkstatt den Schulen mit der Intention an, mit den literarischen Brückenbauern ein externes Angebot im Deutsch- und Literaturkurs zu unterbreiten und hierdurch einen andersartigen Zugang zur Texterfassung –und Texterstellung auch unter dem Aspekt eines anderen Kulturbereichs mit in den Schulalltag einfließen zu lassen. Thematisch reicht das Spektrum von einer Gruppenarbeit zu einem vorgegebenen Sachverhalt bis hin zum Abfassen des individuellen Tagesablaufs oder der textlichen Vorbereitung für eine Theateraufführung..... Die schulische Veranstaltung erstreckt sich überwiegend über eine Schulwoche und schließt vielfach eine Abschluss- Lesung vor Schülern und Eltern mit ein. Aus mehreren Schreibwerkstätten auch hier in Remscheid entstand nun eine kleine Anthologie der Erzählungen, die im Bergischen Verlag in Frühjahr 2019 erschien und vom Autor Rajvinder Singh herausgegeben wurde. Hintergrund der Erzählungen bildet die Begegnung deutscher und gleichaltriger indischer Jugendlicher auf dem Subkontinent. Das Gesamtangebot wird aus der nun folgenden Übersicht und Einzelbeiträgen ersichtlich. Der Eintritt zu allen Lesungen ist frei. Hinweise auf die Veranstaltung erfolgen über Plakate, Flyer, die örtliche Presse und den Verteiler der Stadt Remscheid und natürlich auch über sie die Mitglieder der LÜTTERATEN . Hier finden Sie einige weitere Fakten über die Interkulturelle Lesereihe. Bisherige Autoren/innen 2013 Nevel Cumart deutsch-türkisch Lyrik/Prosa Giovanni Giambusso deutsch-italienisch Lyrik 2014 Hamid Yousefi deutsch-iranisch Prosa Aigen Sibel Celik deutsch-türkisch Prosa 2015 Rajvinder Singh deutsch-hindi-punjabi Lyrik (Remscheider Stadtschreiber 2004) Danko Rabrenovic deutsch-serbisch Prosa 2016 Sudabeh Mohafez deutsch-iranisch Prosa Que Du Luu deutsch-südvietnam Prosa 2017 Selim Özdogan deutsch-türkisch Prosa Olga Grjasnowa deutsch-aserbaidschanisch Prosa 2018 Firas Alshater deutsch-syrisch Prosa Ilija Trojanow deutsch-bulgarisch Prosa 2019 Lena Gorelik deutsch-russisch Prosa Akos Doma deutsch-ungarisch Prosa
Das schreibt die Presse:

Wichtige Links:

Unsere Sponsoren:

„Flucht als Trauma“ - Der Schriftsteller Akos Doma

Aufmerksam und hoch konzentriert verfolgten am 22.11.2019 gut 60 Schüler*innen der 12. Klasse des Leistungskurs Deutsch in der Sophie- Scholl-Gesamtschule den Aus- führungen des deutsch-ungarischen Autors Akos Doma. Der vielfach ausgezeichnete Belletristiker und Übersetzer las dort am vergangenen Freitag aus seinem Familienroman Der Weg der Wün- sche vor- Flucht als Entwurzelung, Demütigung und Neuorientierung einer vierköpfigen Familie aus dem Budapest nach 1956. Eine Odyssee „wir fahren in den Urlaub an den Plattensee“ über Jugoslawien nach Italien und Aufenthalten in ein Flüchtlingslager in der Nähe von Rom, einem Sammellager in Triest und einem in einem erbarmungswürdigen Zustand befindlichen in der Nähe von Neapel. „Wir gingen, weil uns nichts anderes übrig blieb, nicht einfach so, aus Abenteuerlust“ - diese Feststellung bezog die Mutter der beiden Kinder Missi und Borbaly, Terez, auf ihr Leben im sozialistischen Ungarn - auf die Repressalien, Nötigungen, die politisch Bevormundung, den Lügen und Beschwichtigungen und der Beengung. Im Mittelpunkt des Romans steht die Mutter und die fast 16-jährige Tochter, die in den Bannkreis des Mitflüchtlings Attila gerät und sich der Familie entfremdet. Längst Vergangenes bricht auf. In Rückblenden schildert der Autor die Flucht der Mutter vor der Ostfront 1945 und der Zwangs-aussiedlung des Vaters Karoly zusammen mit seiner Mutter. Mit großer sprachlicher Kraft und anschaulich trug der Schriftsteller die Flucht die mit authen-tischen Ausführungen über die eigene Familienflucht nach Deutschland über Italien und England versehen war- vor, wobei das politische Umfeld in Ungarn mit erläutert und von dieser Altersgruppe interessiert aufgenommen wurde. Die Schülerin Anastasia Stojonovic moderierte die mit zahlreichen Fragen ablaufende Aussprache über das Gehörte, wobei Nachfragen wie: „Wer bestimmt den Titel eines Romans und die Cover- Gestaltung“ oder „Welche Unterschiede gibt es beim Übersetzen zum eigenen Verfassen“ und „Wie entstehen neue Romane und welches Werk entsteht zur Zeit“ und „Schreiben Sie zu zeitaktuellen Themen“ nur ein Ausschnitt des lebhaft geführten Dialogs darstellen. Der literarische Brückenbauer verwies auf die „Sprache als Türöffner“ zur Teilhabe in einer neuen Umgebung und schilderte seine Anfangsschwierigkeiten 1972 nach einem vorausgegangen achtjährigen Aufenthalt in England und das Eintauchen in die oberfränkische Sprachumgebung... Das Schreiben allerdings habe er schon als Dreijähriger begonnen und auf jeden Fall wäre er auch in Ungarn als Schriftsteller heute tätig. Das zeitlose Thema der Flüchtlingsbewegung in der Gegenwart und die Darstellung des Autors ließen die zwei Stunden wie im Flug vergehen. Es ist geplant, dass die Schule im kommenden Jahr eine Schreibwerkstatt mit Akos Doma durchführen wird und somit in eine vertiefte Interaktion mit dem erfolgreichen Autor mit zwei Identitäten eintritt. Die Kulturkoordinatorin der Schule, Iris Grundei, äußerte sich optimistisch hinsichtlich des Vorhabens, fände doch damit bereits zum zweiten Mal eine solche Werkstatt an ihrer Schule statt, wobei sie auch auf diese zweite Lesung in diesem Jahr an Ihrer Schule hinwies. Im Frühjahr las bereits die deutsch-russische Autorin Lena Gorelik in der Oberstufe. Am Vorabend fand in der Zentralbibliothek Remscheid vor einem ebenso aufmerksamen und zahlreich erschienenen erwachsenem Publikum die Lesung aus diesem Familienroman, der als drittes Werk 2017 erschien, statt. Wolfgang Luge
Aktuelle Termine Aktuelle Termine

Literarische Schreibwerkstätten trotz Corona-Einschränkungen

Der Veranstaltergruppe der Interkulturellen Lesereihe gelang es zum Schuljahresende trotz immenser Einschränkungen in den weiterführenden Schulen, zwei Schreibprojekte durchzuführen. So fand in der Sekundarschule der Stadt Remscheid (Nelson-Mandela-Schule) eine fünftägige Veranstaltung im 9.Jahrgang statt und eine weitere zeitversetzt in hybrider Form und Weiterarbeit in Präsenzform an der Albert-Einstein-Gesamtschule im 12.Jahrgang. Betreut wurde diese Veranstaltungen durch den deutsch-indischen Autor Rajvinder Singh. Der Stadtschreiber von 2004 erarbeitete mit den Schülerinnen und Schülern eine Erzählung aus dem unmittelbaren Umfeld der Klientel und im Spannungsfeld unterschiedlicher Gesellschaftsmodelle in einer multinationalen Bevölkerung. Die Darstellung der einzelnen Gruppenergebnisse wurden unter der Mithilfe des Autors zu einer in sich stimmigen Erzählung zusammengefügt, wobei er auf den präzisen, eindeutigen Einsatz von Begriffen und Wörtern achtete – getreu seinem Credo: „ Jedes Wort ist eine Persönlichkeit.“ Die Erzählungen wurden aufgrund der Vorgaben in einem kleinen Kreis vorgetragen, wobei in der Gesamtschule dies in der Schulaula erfolgte. Zum Abschluss der Veranstaltung, die für die meisten Schülerinnen und Schülern nach eigenen Aussagen einen Zugewinn in der Vorgehensweise und richtigen Worteinsatz brachte, erhielten Sie eine kleine Urkunde. Die Veranstaltergruppe ermöglicht eine weitere Literarische Schreibwerkstatt noch in diesem Jahr. So steht der deutsch- ungarische Schriftsteller Akos Doma im engen Kontakt mit der Sophie-Scholl-Gesamtschule. Text/Bilder: W. Luge

INTERKULTURELLE LESUNGEN und LITERARISCHE

SCHREIBWERKSTATT

Die Mitveranstalter möchten auch in 2021 das kulturelle Angebot für Remscheider Bevölkerung und weiterführenden Schulen aufrecht erhalten und planen weiterhin als nächstmögliche Lesung eine mit dem Autor Ijoma Mangold ein. Diese Lesung wurde in Absprache mit dem Autor bereits zum zweiten Mal verschoben. Alle Hoffnungen ruhen nun auf einer Lesung im Spätherbst. Die Schullesung fände im Gertrud - Bäumer- Gymnasium statt. Geplante Lesungen 2022 Zur Zeit wurden Kontakte zu folgenden Autorinnen und Autoren aufgenommen: Sasha Marianna Salzmann ( u.a Außer sich ) Tereza Mora ( u.a Das Ungeheuer) Nino Haratischwili ( u.a Juja ) Sascha Stanicic ( u.a Herkunft Dt.Buchpreis 2019) Die literarischen Schreibwerkstätten als externes Angebot zur Texterfassung und Textverfassung und damit zur Sprachkompetenz-Erweiterung verfolgen auch das Ziel, Informationen über das Kulturumfeld der Autoren*innen in das Unterrichtsgeschehen in anderen Fächern mit einbeziehen zu können. Geplante Schreibwerkstätten 2021 Autor Rajvinder Singh: Albert - Einstein – Gesamtschule Nelson- Mandela - Schule Autor Akos Doma: Sophie Scholl-Gesamtschule Die Schreibwerkstätten umfassen einen Zeitraum von maximal fünf Schultagen und ließen sich auch nach Absprache zwischen Schule und Autor in Kombination per Internet und Präsenzunterricht durchführen. Damit setzen die Veranstalter weiterhin auf die literarischen Brückenbauer mit zwei Identitäten, deren Brücke in die Gesellschaft die Sprache ist und der Bevölkerung, aber auch den Schüler*innen, das literarische Werk näher bringen. Im Umfeld der multinationalen Bevölkerungsstruktur in der Stadt ein interessantes und lohnenswertes Unterfangen. Die LÜTTERATEN setzen sich im Bereich der Akquise von Sponsorengeldern, der Suche nach Autoren*innen und der Kontaktvermittlung zu Schulen aktiv für dieses langjährige Kulturangebot ein.
Schreibwerkstatt N. Mandela Schule Copyright W. Luge
Schreibwerkstatt Albert Einstein Gesamtschule Copyright W. Luge
Bilder aus den Schreibwerkstätten der N.Mandela Schule (links) und der Albert Einstein Gesamtschule (rechts) Copyright W.Luge

Es geht wieder los!

Die Veranstaltergruppe der Interkulturellen Lesereihe startet nach einer zweijährigen pandemiebedingten Zwangspause wieder mit zwei Lesungen im kommenden Halbjahr 2022. Begonnen hat die Reihe mit einer Lesung der deutsch-kurdischen Autorin Karosh Taha, die aus ihrem Roman " Im Bauch der Königin" vorlas. Die deutsch-kurdische Autorin Karosh Taha trat am 22.9.2022 zu einer Lesung in der Zentralbibliothek Remscheid auf. Die Lesung wurde vom syrischen Musiker Ronas Shkeikmous mit der Nay( kurdische Flöte) und einem Gitarristen begleitet. Der Pressetext des rga vom 23.10.2022 weist auf diese Veranstaltung hin. Die zweite Lesung ist dann für den 9.11.2022 mit dem deutsch-nigerianischen Autor und Kulturkorrespondenten der ZEIT, Ijoma Mangold, vorgesehen. Er liest aus seinem autobiografischen Roman "Das deutsche Krokodil". Mehr Hier der Bericht der Schreibwerkstatt an der Sophie-Scholl-Gesamtschule:

RGA vom 03.11.2022

(Copyright: Remscheider General-Anzeiger, 27.04.2022. Texte aus dem Remscheider General-Anzeiger sind urheberrechtlich geschützt. Weiterverwendung nur mit schriftlicher Genehmigung der Redaktion.) Mit freundlicher Genehmigung des RGA www.rga.de Im kommenden Jahr ist eine Fortführung der Lesungen mit dem deutsch-mongolischen Autor Galsan Tschinag am 27.4.2023 geplant. Im 10.Jahr der Lesereihe bemühen sich die Veranstalter um einen Leseabend mit Sasa Stanisic oder Dmitrij Kapitelmann oder Olga Martynowa. Die literarischen Brückenbauer bauen auf die Sprache als Brücke zur Integration und Reflexion gesellschaftlicher Entwicklungen und eröffnen der Bevölkerung und den weiterführenden Schulen den Zugang zum literarischen Schaffen von Autorinnen und Autoren mit zwei Identitäten. Informationen zu Karosh Taha: Die Autorin lebt seit 1997 im Ruhrgebiet und emigrierte als Zehnjährige aus der kurdischen Kleinstadt Zaxo im Irak. Sie studierte auf Lehramt in Duisburg und in Kansas/USA Anglistik und Geschichte. Während des Studiums wurde sie von der Heinrich-Böll-Stiftung gefördert und 2018 mit dem Förder- preis NRW ausgezeichnet. Weitere Stipendien schlossen sich an und ebenso Preise für Literatur, so zum Beispiel der Hohenemser Literaturpreis und die Alfred Döblin- Medaille. Im Mittelpunkt ihres zweiten Romans steht Shahira, eine alleinerziehende Mutter. Mit ihren vielen Affären provoziert sie die kurdische Gemeinschaft. Zugleich konfrontiert ihr Lebenswandel Amal und Raffiq, die Freunde ihres Sohnes Yuones, mit der Frage, wie diese selbst leben wollen. „Im Bauch der Königin“ verbindet zwei alternative Geschichten in Form eines Wendebuches mit dem Resümee: Es gibt nicht nur eine Wahrheit. Was beide Teile des Buches eint, sind Tahas herausragende Erzählkunst, ihre kraftvolle, teilweise mit beißendem, befreiendem Witz versehene, aber zugleich sinnliche Sprache. Informationen zu Ijoma Mangold In seiner Autobiografie „Das deutsche Krokodil“ setzt sich der Autor Ijoma Mangold mit seinem Anderssein vor dem Hintergrund seiner Hautfarbe auseinander. Seine Muttter stammt aus Schlesien, sein Vater aus Nigeria. Hintersinnig, lebendig, witzig und feinfühlig schildert er in Erzählform sein behütetes Aufwachsen in Heidelberg mit der alleinerziehenden Mutter, seine Schulzeit und das Heranwachsen in der bundesrepublikanischen Wirklichkeit. Der Erstkontakt nach 22 Jahren mit seinem Vater, sein Besuch der Familie in Nigeria und die Erwartungen einer Übersiedlung in dieses Land führen zu dem Ergebnis, dass vor seinem bildungsbürgerlichen Hintergrund die Voraussetzungen zum kommunikativen Austausch fehlen und er als „Afrikadeutscher“, als „Mischlingskind“ zu Hause in der Welt eines Thomas Mann und Richard Wagner den Lebensmittelpunkt außerhalb des afrikanischen Kontinents sieht. In seinem Roman arbeitet er ausführlich den Charakter seiner Mutter heraus eine spürbare Bewunderung und eine Hommage an alle Mütter in ähnlichen Lebenssituationen. Das Krokodil: Die Kindheitserinnerung an ein kraftvolles technisches Spielzeugprodukt und das schwarze Holzmodell auf der Fensterbank als kraftvolles biologisches Wesen wirkt wie eine Klammer und weist nach Ansicht des Autors auf nicht vorhandene Gemeinsamkeiten hin -einem abwesenden Vater „vor Ort“ und einem in Afrika. Für ihn bedarf es aber keines dauernd präsenten Hinweises auf eine Verbindung nach Afrika. Niemals habe er sich aufgrund seiner fremdländischen Aura als „Ausländer“ gefühlt. Er wehrt sich dagegen, allein wegen der Hautfarbe und Herkunft eine „Identität“ zugeteilt zu bekommen. „Wenn sie wissen, dass sie optisch aus dem Rahmen fallen, haben sie eine Möglichkeit, diesen Eindruck zu zerstreuen, nämlich durch Sprache“ – Sprache als Zugangsberechtigung zur deutschen Gesellschaft. Der Literaturkritiker studierte Literatur in München und Philosophie in Bologna und arbeitete bei verschiedenen deutschen Tageszeitungen, ist Kulturpolitischer Korrespondent der ZEIT und langjähriges Kritiker-Mitglied der Literatursendung „lesenswert“ des SWR-Fernsehens sowie Herausgeber diverser Textsammlungen und lebt in Berlin. W. Luge
Karosh Taha Foto: Havin Al-Sindy
Karosh Taha; Foto: Havin Al Sindy
Ijoma Mangold © S. Hänel